Die Philanthropin und das Meer

November 2022, Pionierinnen aus dem Morgenland

Sie bezeichnet sich selbst als Philanthropin, Mitglied des UNHCR, Zahnärztin von Beruf, zertifizierte Ausdauerschwimmerin und Rekordbrecherin aus Leidenschaft.

Dr. Mariam Saleh Binladen ist die erste Frau, die erste Araberin und die erste Saudi, die das Rote Meer von Saudi-Arabien nach Ägypten durchschwommen hat. Sie bewältigte die neun Kilometer lange Strecke durch das offene Meer in vier Stunden und schrieb damit Geschichte. Im Vorfeld der COP27, der derzeit stattfindenden Klimakonferenz, wollte die Ausdauerschwimmer auf die Gefährdung von Korallenriffen aufmerksam machen. *

Die Herausforderung begann auf der Insel Tiran im Königreich Saudi-Arabien und endete in Sharm El Sheikh in Ägypten. Begleitet wurde sie auf der Strecke von Lewis Pugh, einem britisch- südafrikanischen Langstreckenschwimmer und UN-Schirmherr der Meere. “ Ich bin so dankbar, dass ich Lewis kennengelernt habe. Als ich von seinem Plan hörte, das Rote Meer zu durchschwimmen, musste ich die Gelegenheit nutzen, mich ihm anzuschließen.“ postete sie auf Instagram. Weiters postete sie:

 „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal ohne Haifischkäfig schwimmen würde. Aber wenn wir uns aus unserer Komfortzone herauswagen, macht uns das stärker.“

„Ich habe zugestimmt, an dieser Herausforderung teilzunehmen, weil mir die Sache am Herzen liegt. Diese Herausforderungen sind nichts für schwache Nerven; man muss wirklich diszipliniert trainieren und seine körperliche und geistige Stärke aufbauen. Diese beiden Dinge sind der Schlüssel zum Erfolg.“

Wegen des starken Windes und der rauen See musste das Schwimmen auf zwei Tage ausgeweitet und in zwei Abschnitten absolviert werden. Auch wurde weniger oft gegessen, um das Risiko von Hai-Angriffen zu minimieren. Laut ihr lag die größte Herausforderung in der Mitte der Strecke, als die See sehr unruhig wurde. Da sie vereinbart hatten, ohne Schutzkäfige zu schwimmen, behielten sie die Haifische immer im Hinterkopf.

Dr. Mariam Binladen betreibt das Freiwasser-Ausdauerschwimmen, dass eine körperliche und mentale Herausforderung ist, seit 2012 professionell.

„Ich trainiere mindestens dreimal unter der Woche intensiv. An den Wochenenden schwimme ich abwechselnd vier bis sechs Stunden, um in der Form zu bleiben. Ich absolviere ein regelmäßiges Fitnessprogramm und halte mich an einen physisch anstrengenden Zeitplan, wenn ich mich auf eine Herausforderung vorbereite.“

Sie betont, wie wichtig es ist, immer mit Profis zusammenzuarbeiten und sich mit den richtigen Leuten zu umgeben. „Ich bin gesegnet, dass ich auch die Unterstützung und Gewissheit einer liebevollen Familie habe, ohne die ich diese Reise niemals hätte antreten können.“ Gemeinsam durchlebten sie alle Ängste und Sorgen.

Dr. Mariam Binladens Rekorde, Pionierleistungen und Erfolge

Die 32-jährige saudische Schwimmerin stellte 2017 einen Rekord im Dubai-Kanal auf. Sie war die erste Schwimmerin, die den Dubai Creek und den Dubai Water Canal durchquerte, wobei sie eine Gesamtstrecke von 24 km in neun Stunden und 10 Minuten schaffte.

2016 gelang es ihr, als erste Saudi, den gesamten Ärmelkanal in einer Zeit von 11 Stunden und 41 Minuten allein zu durchqueren, was einen Präzedenzfall und einen Rekord im Königreich darstellte. Diese Durchquerung war Teil mehrerer Ausdauerwettbewerbe, mit denen sie auf die Syrienkrise aufmerksam machen wollte.

Sie war auch die erste Frau, die jemals die 162 km lange Themse in England durchschwamm und dieses Kunststück im Juni 2016 in 10 Tagen absolvierte. Es war ihr erster Weltrekord.

Im Jahr 2015 absolvierte sie als erste Araberin die 6,5 km lange Strecke durch die türkische Dardanellen Straße von Asien nach Europa in einer Stunde, 27 Minuten und 26 Sekunden.

Zu Dr. Mariam Binladens Wohltätigkeitsarbeit gehört auch die Unterstützung von Flüchtlingen. Sie hat sich mit der Jordan Hashemite Charity Organization und dem IMC Hospital zusammengeschlossen, um eine einzigartige Zahnklinik für syrische Flüchtlinge zu eröffnen. Es ist die erste Einrichtung dieser Art. Die „Dr. Mariam Dental Clinic“ wurde im jordanischen IMC-Krankenhaus innerhalb des Flüchtlingslagers Al Azraq errichtet und konnte im Jahr 2017 Tausende von Flüchtlingen kostenlos zahnärztlich versorgen.

„Was die Zukunft angeht, so werde ich meine Herausforderungen weiterhin nutzen, um auf Themen aufmerksam zu machen, die mir am Herzen liegen. Meine philanthropische Arbeit geht weiter.“

*(Im ägyptischen Badeort Scharm El-Sheikh tagt vom 6. bis zum 18. November die 27. Welt-Klimakonferenz, kurz COP27 (Conference of the Parties) unter dem Vorsitz von Ägypten. Es nehmen rund 200 Länder teil, also jene Staaten, welche die Klima-Rahmenkonvention unterschrieben haben, sowie zahlreiche Journalisten und Vertreter von Klimaschutzorganisationen.)

Quellen:

Dr. Mariam Saleh Binladen opens first-ever free dental clinic at Al Azraq Camp in Jordan – Mariam Saleh Bin Laden (mariambinladen.com)

Saudi swimmer sets new women’s world record for Red Sea crossing (arabnews.com)

Saudi doctor is the 1st Arab woman to swim across the Red Sea from KSA to Egypt – Egypt Independent

Watch: Saudi dentist becomes the first Arab woman to swim across the Red Sea – Emirates Woman

Mariam bin Laden becomes 1st Arab woman to swim from Saudi to Egypt (siasat.com)

Imkerinnen trotzen der Wirtschaftkrise des Libanon

Oktober 2022, Pionierinnen im Morgenland

Inmitten der  angespannten Wirtschaftslage des Libanons erlebt die Bienenzucht einen ungeahnten Aufschwung und bietet Frauen eine Möglichkeit die Finanzkrise zu meistern. Der Libanon bietet ein ideales Umfeld für die Bienenzucht und gilt als ein Biodiversitäts-Hotspot. Die Bienen sammeln den Nektar von Sonnenblumen, Zitruspflanzen, Eukalyptus, Baumwollblüten und einer Vielzahl von Blumen und Pflanzen, was den  Honig besonders reichhaltig macht.

Nahida Reslan Salha, Vorsitzende einer Imkergenossenschaft erzählt, dass die Zahl der Bienenstöcke im kommerziellen und im Privatbereich in den letzten drei Jahren zugenommen hat. Sie unterstützt die nachhaltige Bienenzucht und die Kommunikation zwischen den ImkerInnen und schärft das Bewusstsein für die Bedeutung der Reduzierung von Monokulturen und Pestiziden.

Nancy Assaf Naji, ursprünglich Buchhalterin heute Imkerin, betreibt mit ihrem  Mann das Honig-Unternehmen ‚Flavorit‘, das für seinen hochwertigen Honig und seine attraktive Verpackung bekannt ist.

Sie erzählt, dass die Bienen ihr den Charme der libanesischen Landschaften zeigen, und sie spricht liebevoll über die Berghänge und ihre Besuche in die Gebiete, wo ihre Bienenstöcke leben und sagt: „Es fühlt sich heilsam an.“

Miryam Kabbabi Daou, die ursprünglich Finanzwissenschaften studiert hat, betreibt heute hauptberuflich ein Honiggeschäft. Einen Beruf, den sie sich ursprünglich nie hätte vorstellen können. Einst nur ein Hobby, erweiterte sie ihre Bienenstöcke von zwei auf 130. Zunächst verkaufte sie ihren Honig an Familie und Freunde. Inzwischen erhält sie täglich Anrufe von Kaufinteressierten. Sie hat ein Schulungszentrum für Bienenzucht eingerichtet, das familienfreundliche Aktivitäten und Schulungen anbietet.

„Ich möchte allen Frauen raten, ihre Komfortzone zu verlassen und, wenn sie sich für die Bienenzucht interessieren, eine Reise zu beginnen, die sie für immer in Erinnerung behalten werden.“

L’Atelier Du Miel wurde 2013 von einem Architekten, einem Ingenieur und einem Unternehmensberater gegründet. Die drei produzieren Honig und Honigprodukte auf Grundlage deren Liebe zur Natur, zum traditionellen Handwerk und zum guten Geschmack. Das Unternehmen bleibt der Honigkultur treu, die ursprünglich in der elterlichen Küche der Gründer begann. Die Chefköchin der Delikatessen ist die Mutter der Gründer selbst, die die von ihrer Mutter überlieferten Rezepte kocht und dabei auch von ihr unterstützt wird. Also ein Unternehmen in dem drei Generationen werkeln.

Faten Al Masri ist Vorstandsmitglied der Union der arabischen Imker und die erste libanesische Frau in dieser Vereinigung. Zuerst war die Bienenzucht für sie ein Hobby um in der Natur zu sein. Sie fing sie mit  zwei Bienenstöcken an und besitzt jetzt 500. Ihr Geschäft floriert. Sie bietet Schulungen zur Bienenzucht an und das Interesse ist groß. Sie lehrt auch die Herstellung von Bio-Seife Bienenwachs, Propolis und Gelée Royale. Viele ihrer SchülerInnen betreiben inzwischen ihr eigenes Honiggeschäft. Trotz des beachtlichen Erfolges sieht Faten die Frauen im Libanon immer noch mit sozialen und kulturellen Herausforderungen konfrontiert:

„Die meisten Menschen sehen die Imkerei als Männerarbeit und denken, dass Frauen nicht in der Lage sind, mit Bienen umzugehen, aber die vielen Imkerinnen beweisen das Gegenteil“.

Lesen Sie mehr:

https://www.al-monitor.com/originals/2022/10/lebanese-women-find-sweet-success-beekeeping#ixzz7i2pA2PUS

https://www.youtube.com/c/MiryamsApiary/videos

https://www.youtube.com/c/Atelierdumiel/about

https://bienen-nachrichten.de/2021/bienenvielfalt-im-libanon/983

 

 

 

Das Königreich Marokko und seine weiblichen Champions im Kampfsport.

Pionierinnen aus dem Orient, Oktober 2022

 Es ist noch nicht lange her, dass sich die Kampfsportwelt für Frauen öffnete und eine Kampfsportathletin ist in der arabischen Welt immer noch etwas Besonderes. Das traditionelle Königreich Marokko, bringt aber eine Reihe von weiblichen Champions in verschiedenen Kampfsportarten hervor. Der 2014 gegründete Verband der Königlichen Marokkanischen Föderation für Kampfkünste und Kampfsportarten fördert, entwickelt und schützt aktiv die Belange dieses Sports.

 Im Juni gewann die 11-jährige marokkanische Boxerin Aya Bozarhoun den vierten Titel bei der Muay Thai- und Boxmeisterschaft in Frankreich und dominierte in mehreren regionalen und nationalen Wettbewerben. Nach ihrem Sieg rief El Hilali, der Präsident des Königlichen Marokkanischen Verbands für Kickboxen und Muay Thai, Bozarhoum an und gratulierte ihr zum Gewinn der vier Titel.

 Auch erklärte El Hilali in diesem Jahr, dass Marokko stolz darauf ist, dass sich vier marokannische Athleten für die World Games qualifiziert haben, zwei Männer und zwei Frauen, wobei die Geschlechter gleichgestellt sind. Belouarrat Oumaima hat bereits 2019 in Südkorea die Goldmedaille im Kampfsport gewonnen, zusätzlich zu ihrem Titel bei der Afrikameisterschaft in Ägypten. Meriem El Mubarak hat sich als erstes arabisches Mädchen für die Word Games 2017 qualifiziert und wurde von HH König Mohammed der VII., 2016 mit einem nationalen Verdienstorden ausgezeichnet. Es ist ihre zweite Teilnahme an den Spielen.

 „Als marokkanische Frau glaube ich fest daran, dass es für Frauen sehr wichtig ist zu lernen, wie sie sich selbst verteidigen können“, sagt HInd Charifi, 32, die zweifache Weltmeisterin im brasilianischen Jiujitsu (BJJ).  Charifi studiert an der Royce Gracie Ju Jitsu Academy in Dubai, wo sie professionell an Wettkämpfen teilnimmt. „Marokkanische Frauen fangen gerade erst an, sich mit Kampfsportarten zu beschäftigen. Zu der Zeit, als ich in Marokko lebte, war ich fünf oder sechs Jahre lang die einzige marokkanische BJJ-Wettkämpferin.“

 „Bei meinem ersten Kampf hatte ich Angst, mich zu verletzen, aber ich habe den zweiten Platz erreicht. Es gibt immer noch die Vorstellung, dass Kampfsportarten nicht sicher sind. Vor allem Frauen haben Angst, ihr Gesicht zu verletzen“, sagt sie gegenüber Al-Monitor. Das erste Vorurteil hängt mit dem Stereotyp zusammen, dass Frauen zerbrechlich und nicht für Kampfsportarten geeignet sind, ein Glaube, der in der Mentalität vieler marokkanischer Familien verwurzelt ist. Charifis Familie war zunächst nicht einverstanden, aber nachdem sie ihre Erfolge gesehen und ihr gewachsenes Selbstvertrauen bemerkten, unterstützen sie sie. Sie waren stolz auf ihre Ergebnisse, und sogar ihre Schwester wurde dazu animiert, Boxerin zu werden.

Charifi erinnert sich, dass sie vor einigen Jahren in einem Pariser Club ihre Kampffähigkeiten einsetzen musste, als ein Mann  ihr folgte und versuchte, ihre Brüste zu berühren. Sie nahm ihn kurzerhand in den Würgegriff und musste dann seine Beine anheben, um ihn wieder wachzurütteln.

Auch in Marokko wurde sie auf der Straße angegriffen. „Der Mann war schockiert und erschrocken über meine Reaktion, die für mich ganz natürlich war. Als er realisierte, dass ich ihn verprügeln kann, ist er weggelaufen.“

Abgesehen von Selbstverteidigung ist Charifi der Meinung, dass der Kampfsport alle Aspekte des Lebens beeinflusst. „Für mich ist es etwas, das das Selbstvertrauen in allen Bereichen des Lebens stärkt, von der Art und Weise, wie man sich bei der Arbeit gibt, über die Kindererziehung bis hin zu Dingen, die traditionell als ‚Männerarbeit‘ gelten, wie das Reparieren einer Spüle oder eines Autos.“

 Khaoula Oubraim, marokkanische Kickbox-Meisterin, wurde von ihrer Mutter ermutigt, Kampfsport zu betreiben. Als sie begann an Meisterschaften teilzunehmen, war der Rest der Familie dagegen, weil sie befürchteten, dass sie sich verletzen könne. „Aber meine Mutter hat mich immer unterstützt. Für sie war es ein Traum, den ihr ältester Sohn nicht verwirklichen konnte. (…) ich wurde ihr Hoffnungsschimmer“, so die Athletin. In der kleinen marokkanischen Stadt in der sie lebte, erwies sich die Ausbildung als schwierig. Sie war 17 Jahre alt, als sie in einem örtlichen Fitnessstudio mit dem Kickboxen begann, wo sie von zwei Trainern sexuell belästigt wurde. Trotz dieser schlechten Erfahrung gab sie den Sport nicht auf und beschloss, sich in einem anderen Fitnessstudio anzumelden, das mehr als 10 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt war. Sie fuhr mit einem alten Motorrad dorthin, das mehrmals auf der Straße stehen blieb. Oft musste sie den Weg zu Fuß zurücklegen und sich dabei Dieben und Angreifern stellen. Sie erinnert sich aber auch an ihre Kollegen, die sich weigerten, sie nach Hause zu begleiten, weil sie der Meinung waren, dass ein Mädchen ins Haus gehört und nicht zu ihnen. Ihr Durchhaltevermögen zahlte sich aus, sie holte viele Titel und wurde 2018 marokkanischen Meisterin im K-1.

Bedingt durch ihre  soziale Situation konnte sie nicht mehr an Meisterschaften teilzunehmen. Dank des Sporttrainingszertifikats, das sie erworben hatte, fand Khaoula einen Job als Kickboxtrainerin für Frauen in einer der bekanntesten Sporthallen Marokkos. Sie braucht ein tägliches Einkommen, um ihre Familie zu unterstützen. Außerdem wurden ihre Pläne durch die Corona-Pandemie auf den Kopf gestellt. Im vergangenen März sollte die marokkanische Meisterin an den Muay Thai-Weltmeisterschaften in Thailand teilnehmen. „Es wäre meine erste internationale Teilnahme gewesen“, bedauert Khaoula.

 Die französisch-marokkanische Rizlen Zouak, 36, trägt den Spitznamen „Löwin des Atlas“, ist mehrfache Afrikameisterin, Teameuropameisterin in Frankreich und hat zweimal an den Olympischen Spielen im Judo teilgenommen. Zouak begann mit dem Judo, als sie sechs Jahre alt war. „Als kleines Mädchen liebte ich es, in Kämpfe verwickelt zu werden. Als ich mit Judo anfing, gefiel es mir auf Anhieb und ich wollte ein Champion werden.“, sagte sie. Auch sie durfte auf die Unterstützung ihrer Familie zählen.

Sie sagt gegenüber Al-Monitor: „Marokko ist ein Teil von mir. Ich bin stolz und fühle mich geehrt, die erste marokkanische Frau zu sein, die sich für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, und die erste weibliche MMA-Kämpferin (Mixed Martial Arts – „Gemischte Kampfkünste“) zu sein. Und es war einfach unglaublich und eine große Freude, diesen ersten weiblichen Sieg im MMA in mein Heimatland Marokko zu bringen“.

Zouak meint: „Es wird immer Menschen geben, die frauenfeindlich sind, aber man muss sie in ihrer Welt lassen, sie ignorieren und immer darauf bedacht sein ‚to be in top of your game‘.“

 Lesen Sie mehr:

https://www.al-monitor.com/originals/2022/10/moroccos-women-martial-artists-defy-cultural-stereotypes#ixzz7hxGr6HdS

 https://ne-np.facebook.com/ifmamuaythaiofficial/photos/a.180380368752719/3500578210066235/?type=3

https://en.yabiladi.com/articles/details/93181/khaoula-oubraim-female-moroccan-kickboxer.html

 

 

Würzige Fischpaste und gesalzener Fisch – Malleh Gourmet

Oktober 2022, Thema „Pionierinnen des Abend- und Morgenlandes“

Malleh Gourmet ist ein in Dubai gegründetes Einzelhandelsunternehmen, das von den Sabbagh-Schwestern ins Leben gerufen wurde. Nazek und ihre Schwester Zohoor haben die altbewährte Kunst des Einsalzens von Fisch (Malleh) in ein wunderschön verpacktes Feinkostprodukt umgewandelt, das sowohl die jüngere Generation der Emiratis, als auch den internationalen Markt begeistern soll.

„Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann habe ich es auch geschafft.“, erzählt  Nazek dem Team von ‚Food by Gulf News‘ und fügt hinzu, dass sie schon als Kind die aufgeschlossenste und eigensinnigste der vier emiratischen Schwestern war. Diese Eigenschaft ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sie und ihre ältere Schwester Zohoor es sich zur Aufgabe gemacht haben, emiratische Rezepte zu bewahren und in die Welt zu tragen.

Die beiden wuchsen in den 1960er Jahren in Old Dubai, in Deira auf. Deira ist eine Küstenregion von Dubai, wo Fischfang und Perlentauchen die Haupteinnahmequellen waren. „Damals wurde das Essen noch traditionell zu Hause gekocht, hauptsächlich waren es Fischgerichte.“, erzählt Nazek. Gab es keinen frischen Fang, dann verwendeten die Frauen fermentierten und gesalzenen Fisch.

Nazek arbeitete als Bauingenieurin bei der Stadtverwaltung von Dubai, während Zohoor einen Master of Philosophy in Ernährungswissenschaften an der Universität Liverpool in England erwarb. Das Jahr 2008 war der Wendepunkt in Nazeks beruflicher Laufbahn. „Zwei Jahre vor meiner Pensionierung, jung und energiegeladen, begann ich mit der Planung meines Projekts für die Zeit nach der Pensionierung.“ Die beiden Schwestern stellten fest, dass mit der jüngeren Generation und den Kochtrends in den sozialen Medien die traditionellen emiratischen Rezepte verloren gingen. „Unsere Großeltern waren verstorben und unsere Eltern alt. Also dachten wir, dass es an der Zeit war, die uralten trditionellen Rezepte zu bewahren und sie auch als Lebensmittelprodukte anzubieten, die das Erbe der VAE wiederspiegeln sollten. Etwas, das auch Touristen als Geschenk in ihr Heimatland, als authentisches Essen aus den VAE, mitnehmen können.“ Zwei Jahre später, im Jahr 2010, gründeten sie Malleh Gourmet.

Die ersten Jahre reisten sie viel um Lebensmittel zu erforschen und deren Konservierungsmethoden. Von der Planung der Produktlinie bis hin zur Verpackung,  der Schwerpunkt lag auf Hygiene und Nachhaltigkeit, dauerte es zwei Jahre, bis ihre Marke auf den Markt kam. Von der Auswahl des Holzes für die Verpackungskisten bis hin zur Schriftart des kunstvoll geschnitzten Logos war bei jedem Schritt akribische Planung und Kreativität gefragt. Ein Herausforderung war die Preisgestaltung. In den Supermärkten gab es viele ähnliche Produkte zu niedrigeren Preisen. Eine Senkung des Preises hätte bedeutet, Abstriche bei der Authentizität und Qualität machen zu müssen und dazu waren sie nicht bereit. Nazek erklärte: „Auch in 10 Jahren wird das Rezept für Mahyawa (eine würzige Soße aus fermentiertem Fisch) das selbe sein, wenn nicht sogar besser. Wir machen keine Kompromisse bei der Qualität wegen Kostengründen. Wir analysieren die Produkte nach den Kriterien warum sind sie gut sind und was verbessert werden muss

In Ihrem Geschäftslokal in Jumeirah, einem Stadtteil von Dubai, begannen sie mit dem Verkauf von traditionellen emiratischen Gewürzen und Fisch, wie Sehnah Shahgrah (gemahlene, getrocknete Sardellen, die mit Gewürzen vermischt und zu weißem Reis gegessen werden), der traditionellen Delikatesse Mehyawah (ist eine mit Gewürzen vermischte Sardellensauce, die als Dip mit Brot genossen wird), Malleh  (in Salz gepökelter, konservierter Fisch, in der Regel  aus den Fischen Gebab oder Kanaad) und Jashei (ein sonnengetrocknetes und gesalzenes Fischfilet ohne Haut und Kopf). Mehyawah stellte eine Herausforderung dar, denn die Zubereitung hängt von vielen Zutaten ab und die Herstellung erfordert Geduld und langjährige Übung.

„Unsere Produkte haben keinen Fischgeruch“, sagt Nazek und das liegt daran, dass der Zeitpunkt und der Fang des Fisches wichtig sind. Um dies zu gewährleisten, achten ihre Mitarbeiter an der Küste genau darauf, dass der Fisch nur bei bestimmten Gezeiten gefischt und direkt nach dem Fang gesalzen wird. „Die Haltbarkeit unserer gesalzenen und hygienisch verpackten Produkte beträgt sechs Monate und alle Produkte werden von Labors getestet“, so Nazek.

„Proteinreiche Ernährung ist ein globaler Trend. Wir haben ein Konzept für ein emiratisches Gourmetessen entwickelt, das gesund, schmackhaft und haltbar ist. Es ist uns gelungen, eine traditionelle lokale Delikatesse als Feinschmeckerkost zu präsentieren“, fügt sie hinzu. Eine weitere Ergänzung der Produktpalette, Tomaten- und Limettenpickles, wurde in mühevoller Kleinarbeit nach der Zeit von Covid-19 eingeführt.

Die Reichweite der Produkte von Malleh Gourmet geht von emiratischen Familien bis hin zu internationalen Hotelketten und Reisenden. Die Pandemie hat das Wachstum des Betriebs nicht gestoppt. „Es gab weniger Laufkundschaft aber mehr Online-Lieferaufträge. Wir konnten den Betrieb aufrechterhalten und fuhren mehr Schichten, da wir unseren Mitarbeitern nicht 12 Stunden´ das Tragen einer Maske zumuten wollten.

Malleh Gourmet ist langsam und stetig gewachsen und hat einen langen Weg hinter sich. Nazek wünscht sich, dass junge Leute „kreatives Kochen“ mit denselben Zutaten ausprobieren. Nach ihr, ist das die Herausforderung und Notwendigkeit, wenn sie authentisches emiratisches Essen für die Zukunft bewahren wollen. Nazeks Wunsch: „Immer wieder neue kreative Speisen mit unseren Zutaten kreieren!“

Quellen:

Gulfnews.com: https://gulfnews.com/food/tale-of-two-emirati-sisters-preserving-uae-culinary-heritage-of-tangy-fish-paste-and-salted-fish-or-al-malleh-1.1630229504014?utm_source=piano&utm_medium=email&utm_campaign=13405&pnespid=uORnCnREMrkFhOLdrzK.AcOIvxXyRZxuKfDnxOZsqAVmI34jysK6ARqVv29bg2_BCCkPK6ESrA

Tradearabia.com: http://www.tradearabia.com/news/MISC_286515.html

Frying Pan Adventures:

Die ersten weiblichen Lokführerinnen der Kairoer U-Bahn

(September 2022) Thema „Pionierinnen des Abend- und Morgenlandes“

Die Kairoer Metro hat zwei Lokführerinnen eingestellt – ein Novum in einem Land, in dem ähnliche Aufgaben nur selten von Frauen übernommen werden.

Die französische RATP-Gruppe, die die Kairoer Metro-Linie 3, die Hauptlinie im Großraum Kairo, verwaltet, betreibt und wartet, hat kürzlich Frauen zu Zugführerinnen ausgebildet. Obwohl die Kairoer Metro die älteste U-Bahn-Linie in Afrika und der arabischen Welt ist – sie wurde Ende der 1980er Jahre zum ersten Mal eröffnet -, hat noch nie eine Frau einen Zug gefahren. In der patriarchalischen Gesellschaft Ägyptens kommt die Ernennung von Frauen in dieser Art von Beruf einer Rebellion gegen mehrere gesellschaftliche Beschränkungen gleich. Dieser Schritt ist ein Vorreiter auf dem Weg zur Stärkung der Rolle der Frau in Ägypten und zu ihrer Integration in verschiedenen Bereichen, und zwar in Berufen, die vor nicht allzu langer Zeit strikt den Männern vorbehalten waren.

Die Fahrgäste der Linie 3, der neuesten Linie des U-Bahn-Netzes, erleben nun, dass Frauen in der Fahrerkabine sitzen und den Zug selbständig und eigenverantwortlich leiten. Selbst für die größten Befürworter der Entwicklung der arbeitenden Frauen in Ägypten und im Nahen Osten kam das unerwartet und überraschend. 

Eine anonyme Quelle bei der RATP erklärte gegenüber der Nachrichten Website Al-Monitor: „Das Unternehmen hat seinen Bedarf an Zugführerinnen bekannt gegeben. Dies war das erste Mal, dass das Unternehmen eine solche Stellenausschreibung für Frauen in Ägypten machte. Unter den 30 Bewerberinnen, die die Prüfungen bestanden, wurden zwei Frauen eingestellt – Hind Omar und Suzan Muhammad. Das Unternehmen möchte in Zukunft mehr Frauen für verschiedene andere Tätigkeiten in den U-Bahn Linie 3 gewinnen.“

Al-Monitor sprach mit Hind Omar über die langen Verfahren und Tests, die sie durchlaufen hat, um die erste weibliche Lokführerin in Ägypten zu werden. Sie sagte: „Ich bin sehr stolz darauf, diese Aufgabe als eine der ersten beiden weiblichen Lokführerin zu übernehmen. Ich muss extrem geduldig, wachsam und feinfühlig sein, um mit jeder Situation umzugehen, mit der man als U-Bahn-Fahrerin konfrontiert werden kann. Ich halte jeden Tag mehrere Tausend Leben in meinen Händen.“

Sie merkte an: „Sobald ich in den Führerstand einsteige, erhalte ich unterschiedliche Reaktionen von den Zugpendlern. Einige Frauen umarmen mich und geben mir ihren Segen, während andere Pendler mir vorwerfen, dass ich den Männern die wenigen Arbeitsmöglichkeiten in Ägypten stehle. Einige bezweifeln sogar, dass ich eine gute Zugführerin werden kann, da sie glauben, dass Frauen immer noch nicht in der Lage sind, Autos richtig zu fahren“, und fügte hinzu: „Der seltsamste Vorfall, der mir passiert ist, war, als ein alter Mann, der sich auf eine Krücke stützte, sich weigerte, in den Zug zu steigen, als er mich am Steuer sah. Ich gebe jedoch ein Beispiel für andere Mädchen in Ägypten, um die vorherrschende Meinung über Frauen zu ändern. Meine Fähigkeiten beweisen, dass Frauen nicht nur zu Hause, sondern auch in verschiedenen Arbeitsbereichen erfolgreich sein können. Die angehenden Fahrerinnen haben die gleichen Fahr- und Qualifikationstests während der RATP-Schulungskurse wie die Männer absolviert, und einige von ihnen haben bessere Ergebnisse erzielt“.

Sie resümiert: „Ich habe nie davon geträumt, einen Zug zu fahren. Vor mir hat keine Frau diesen Beruf ergriffen und mich folglich dazu inspiriert. Aber jetzt ermutige ich andere Frauen, in diesem und anderen für Frauen schwierigen Bereichen Fuß zu fassen, um zu beweisen, dass wir alles erreichen können, was wir uns vornehmen.“ Sie freut sich über die Unterstützung ihrer Familie. „Meine Eltern fanden es anfangs seltsam, aber schließlich haben sie mich unterstützt“, sagt die 30-Jährige. Ihr Mann habe sie von Anfang an in ihrem Entschluss bestärkt.

Ahlam Hanafi, Mitglied des Nationalen Frauenrates, erklärte gegenüber Al-Monitor: „Wenn Frauen eine angemessene Bildung und Ausbildung erhalten, können sie die gleichen Aufgaben wie Männer übernehmen. Sogar Aufgaben, die früher als weit hergeholt und schlichtweg unmöglich für Frauen galten. Wir sind stolz auf die neuen U-Bahn-Fahrerinnen.“ Sie erklärt weiters: „Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat es Frauen ermöglicht, wertvolle Leistungen zu erbringen. Unser Land muss die Kreativität und Innovation der Frauen nutzen. In der heutigen Welt leisten Frauen in verschiedenen Berufen hervorragende Arbeit, und wir sind mit der Gleichstellung der Frauen im Rückstand. In Ägypten sollten Frauen schon vor langer Zeit in der Lage sein, viele Berufe auszuüben.“

Die Ernennung von Frauen zu U-Bahn-Fahrerinnen erfolgt im Rahmen des umfassenden Ausbaus der Metro Kairo und der Einrichtung neuer Linien, um die mehr als 20 Millionen Einwohner Kairos zu versorgen. Mit der Eröffnung von drei neuen Metrolinien und der ersten Einschienenbahn-Linie, die den äußersten Osten des Großraums Kairo mit dem äußersten Westen verbindet, will Ägypten sein öffentliches Verkehrssystem und -netz verbessern.

Lesen Sie mehr: https://www.al-monitor.com/originals/2022/09/meet-cairos-first-female-metro-train-drivers#ixzz7etTuOe8Z

Kleine Zeitung: https://www.kleinezeitung.at/international/6179996/Erstmalig_In-Kairo-sind-nun-auch-Frauen-in-UBahn-am-Steuer

Quelle Al-Monitor.com is a trusted and award-winning independent source of Middle East news and analysis, founded 2012, https://www.al-monitor.com/mission https://www.al-monitor.com/mission

Die erste weibliche Krankenwagenfahrerin Palästinas

Thema „Pionierinnen des Abend- und Morgenlandes“, August 2022

Sandra Bali, 24, aus der Stadt Halhul in Hebron im südlichen Westjordanland, hatte schon immer den Wunsch, Kranken und Verletzten zu helfen und sieht das auch als nationale Pflicht an. Das hat sie dazu veranlasst, allen Widrigkeiten zum Trotz, die erste weibliche Krankenwagenfahrerin in Palästina zu werden. So beschloss sie, in diesem Jahr ihren Krankenwagenführerschein zu machen. Bali, die seit zwei Jahren als Krankenschwester im Hospital arbeitet, wollte schon seit Jahren das männliche Monopol in diesem Beruf brechen. 

„Der Erhalt meines Führerscheins für einen PKW im Jahr 2018 war ein großer Ansporn für mich, den Krankenwagenführerschein zu beantragen. Es war eine Herausforderung, da ich die erste Frau in Palästina sein würde, die diesen Beruf ergreift. Ich habe im Vorfeld viel darüber nachgedacht, wie die Gesellschaft mich wahrnehmen wird“, sagte Bali gegenüber Al-Monitor. „Einen Krankenwagen zu fahren ist keine leichte Aufgabe. Meine Arbeit beschränkt sich nicht nur auf das Fahren. Viele Patienten, vor allem Frauen, bitten darum, dass Frauen ihnen Erste Hilfe leisten und sie in das Fahrzeug bringen. Ich helfe den Sanitätern bei der Erstversorgung der verletzten Person, bevor sie zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden.“

Weiters erzählt Bali : „Das Fahren eines Krankenwagens erfordert Konzentration, Schnelligkeit und ein gutes Urteilsvermögen, um  die Patienten so schnell wie möglich zu transportieren, ihr Leben rechtzeitig zu retten und eine Verschlimmerung des Zustands zu vermeiden, insbesondere wenn diese unter starken Blutungen oder einem Wirbelsäulenbruch leiden. Vor allem gilt es Verkehrsunfälle zu vermeiden. Wie schnell man mit dem Krankenwagens fährt, hängt von mehreren Faktoren ab, nämlich vom Zustand des Patienten und von der Verkehrslage. Wenn der Zustand des Patienten kritisch ist, muss ich so schnell wie möglich fahren, manchmal bis zu 140 Stundenkilometer. Natürlich schalten wir die Sirene ein, um alle Fahrzeuge auf der Straße auf den entgegenkommenden Krankenwagen aufmerksam zu machen, damit sie ausweichen können. Ich habe einige schwierige Situationen erlebt, als ich Verletzte transportierte. Einige von ihnen hatten schwere Verletzungen durch direkte Schüsse in den Kopf oder die Brust sowie verschiedene andere Verletzungen. Trotz des Schreckens und der Schwierigkeiten der Szenarien versuchte ich mich auf meine humanitäre Pflicht zu konzentrieren und die Verletzten so schnell wie möglich in das nächste Krankenhaus zu bringen, um ihr Leben zu retten“.

Sie bemerkte, dass viele Leute böse Kommentare darüber machen, dass sie einen Krankenwagen fährt. Aber ihre Familie und ihre Freunde unterstützen und ermutigen sie, an diesem Beruf festzuhalten und zu beweisen, auch in Berufen arbeiten können die von Männern dominiert werden. Weiters berichtet sie, wie schockiert viele Autofahrer sind, wenn sie eine Frau am Steuer eines Krankenwagens sehen.

Bali hat andere palästinensische Frauen dazu inspiriert, Karrieren in von Männern dominierten Bereichen zu wählen. Heba Zahida, eine 22-jährige Doktorandin sagte gegenüber Al-Monitor: „Bali ist ein Vorbild für alle Mädchen und Frauen. Sie hat sich, trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen denen sie ausgesetzt war, bewährt. Sie hat darauf bestanden, diesen humanitären Beruf auszuüben, der lange Zeit von Männern monopolisiert wurde“. Und fügt hinzu: „Palästinensische Frauen sind nicht weniger produktiv und effizient als Männer. Sie haben sich in vielen Berufen bewährt, sind oft besser und effizienter als Männer und zeigen große Bereitschaft, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.“

Nashat al-Awewi, 26 meinte gegenüber Al-Monitor: „Frauen beteiligen sich jetzt neben Männern an vielen Aufgaben, da sie versuchen, das Bewusstsein für ihre Rechte zu schärfen und mehr zu erreichen.“ Und fügt hinzu: „Obwohl viele schockiert waren, als sie Bali einen Krankenwagen fahren sahen, wird sie in Hebron von der Bevölkerung sehr respektiert, da sie beweist, dass nichts unmöglich ist.“

Nach den im März vom palästinensischen Zentralamt für Statistik veröffentlichten Statistiken betrug die Beteiligung von Frauen an der palästinensischen Erwerbsbevölkerung im Jahr 2021 17 %, gegenüber 16 % im Jahr 2020, während die Beteiligung von Männern an der Erwerbsbevölkerung im Jahr 2021 bei 69 % lag, gegenüber 65 % im Jahr 2020.

Die Arbeitslosenquote der Frauen in den palästinensischen Gebieten lag im Jahr 2021 bei 43 %, die der Männer bei 22 %. Die Arbeitslosenquote unter den Jugendlichen (19-29 Jahre) mit einem Vordiplom oder höher lag im selben Jahr bei 53 %, davon waren 66 % weiblich und 39 % männlich.

Read more: https://www.al-monitor.com/originals/2022/08/meet-palestines-first-female-ambulance-driver#ixzz7fL5MCGA1

 
Quelle: Al-Monitor.com is a trusted and award-winning independent source of Middle East news and analysis, founded https://www.al-monitor.com/mission https://www.al-monitor.com/mission 

Palästinensische Traktorfahrerin sorgt im Westjordanland für Aufsehen

August 2022, Thema „Pionierinnen des Abend- und Morgenlandes“

Ettihad Ayyad, eine Palästinenserin, die in Jericho im Westjordanland Ackerland besitzt, ist seit kurzem die erste Palästinenserin, die einen Traktorführerschein besitzt.

Nachdem Ettihad Ayyad, 50, das Gemüse geerntet hatte, fuhr sie mit dem Traktor zum Gemüsemarkt. Am Weg dorthin wurde sie von der Verkehrspolizei angehalten und nach ihrem Führerschein gefragt – sie besaß keinen. Das Traktorfahren hatte sie auf ihrem Feld geübt und gelernt. Ettihad beschloss nun den Traktorführerschein zu erwerben und begann die Fahrschule zu besuchen. Anfang Juli teilte ihr das palästinensische Verkehrsministerium mit, dass sie die erste palästinensische Frau sei, die in den palästinensischen Gebieten einen Traktorführerschein erworben habe.

Auf einer Sitzung des Ministeriums in Jericho am sechsten Juli lobte Landwirtschaftsminister Riad al-Atari ihre Bemühungen und würdigte sie zudem als „Pionier-Bäuerin“. Er hob weiters den Einzug der palästinensischen Frauen in alle Bereiche des Arbeitslebens lobend hervor. 

Im Gespräch mit Al-Monitor sagte Ettihad: „Die meisten Leute haben mich zu diesem Schritt ermutigt. Ich habe motiviert und mit viel Begeisterung die vielen Schwierigkeiten überwunden. Am wichtigsten für mich war die Ausbildung für ein neues Traktormodell, da ich zuvor einen alten Traktor fuhr.“

Vor einigen Jahren gab ihr Mann seine Arbeit in der Landwirtschaft auf um sich eine Stelle zu suchen damit die Familie finanziell über die Runden kommt. Ettihad beschloss allein auf dem Feld weiterzuarbeiten und übernahm alle Aufgaben, die mit der harten landwirtschaftlichen Arbeit verbunden sind. Sie bepflanzte ihr Feld mit Jutemalven, Gurken, Tomaten und verschiedenen Gemüsesorten und stellte Landwirtschafts- und Molkereiprodukte her. Sie erklärt: „Ich liebe die Landwirtschaft. Bevor ich zur Schule ging, haben wir meinem Vater auf dem Feld geholfen. Dann heiratete ich einen Bauern und arbeitete weiter in der Landwirtschaft.“

Ettihad, die früh heiratete, wuchs in einer Großfamilie auf, in der aufgrund der finanziellen Situation die Ausbildung der Jungen Vorrang hatte vor der Ausbildung der Mädchen. „Ich habe die Oberschule besucht, konnte aber nicht studieren. Deshalb wollte ich, dass meine sechs Kinder so viel lernen können, wie sie möchten. Die meisten von ihnen haben einen Universitätsabschluss.“, erzählt Ettihad.

Zusätzlich zu ihrem Bauernhof hat sie eine kleine Joghurtfabrik mit acht Mitarbeitern aufgebaut und berichtet: „Wir arbeiten in einem kleinen Wohnwagen, stellen Joghurt mit Wildkräutern her und sortieren das Gemüse nach den Wünschen der Kunden.“

Ettihads Schwiegertochter war von ihrem mutigen Schritt sehr beeindruckt. Es war das erste Mal, dass sie eine Frau sah, die einen Traktor innerhalb und außerhalb des Hofes fuhr. „Meine Schwiegermutter ist seit mehr als 30 Jahren in der Landwirtschaft tätig. Sie ist sehr ehrgeizig und lässt sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen. Wir sind stolz darauf, dass sie eine Pionierin und ehrgeizige Frau ist, die sich gut um ihre Arbeit kümmert. Sie ist auch eine liebevolle Ehefrau und Mutter, der es ein Anliegen ist, ihre Kinder auf die Universität zu schicken.“

Hani Ayyad, Ettihads Ehemann, ist sehr stolz auf seine Frau. „Meine Frau ging vor ein paar Tagen zu einem Orthopäden und war überrascht, als er ihr zum Erhalt der Lizenz gratulierte. Er hat davon aus den Medien erfahren“, erzählte er Al-Monitor. Er erzählte auch von  seiner Mutter, die in einem Bauernhof im Dorf al-Auja im Gouvernement Jericho arbeitete, wo sie große Mengen an Gemüse verpackte und erntete und resümiert: „Ich glaube, dass Frauen in der Landwirtschaft besser sind als Männer, weil sie geduldiger sind“.


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Quelle: Al-Monitor.com is a trusted and award-winning independent source of Middle East news and analysis, founded 2012, https://www.al-monitor.com/mission https://www.al-monitor.com/mission