Der verschwundene Feiertag!

Mariä Lichtmess und der Schlenkerltag

02.02.2020

Früher wurde die Weihnachtszeit am 2. Februar beendet. An diesem Tag wurden von den Katholiken die Weihnachtskrippen und die Christbäume abgebaut und verräumt. Aus dem heutigen Alltag ist das Fest fast verschwunden.

Bis 1969 hieß dieser Tag in der katholischen Kirche „Mariä Reinigung“. Laut den damaligen Vorschriften und Bräuchen galt eine Frau 40 Tage nach der Geburt eine Kindes als unrein und musste 40 Tage nach der Geburt ein Reinigungsopfer in den Tempel bringen. Das Opfer war meist ein Pärchen Turteltauben. Da Jesus der erstgeborene Sohn war, galt er als Eigentum Gottes. So wurde auch er von seinen Eltern im Tempel vor Gott “dargestellt” und “ausgelöst”. Deshalb wird Mariä Lichtmess auch “Fest der Darstellung des Herrn” genannt.

Maria und Josef, die Eltern Jesus, begegneten dort dem greisen Simeon und der 84jährigen Prophetin Hannah, die das Kind als Messias (Der Gesalbte) erkannte und lobpries. Hannah bekräftigte die prophetische Rede Simeons, der darauf vertraute, dass er erst sterben wird, wenn er den Messias gesehen hat. Noch heute wird im Gottesdienst an diesem Tag folgendes vorgelesen: Der Alte stimmte ein Loblied auf das Kind an und pries es als Messias: „Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“.

Hannah hatte ein schweres Lebens hinter sich. Sieben Jahre nach ihrer Heirat wurde sie Witwe. Für eine kinderlose und verwitwete Frau war es in der damaligen Zeit schwierig in der Gesellschaft einen Platz zu finden. So war sie ab diesem Zeitpunkt darauf angewiesen, von der Gemeinschaft unterstützt zu werden. Hannah entschloss sich für ein Leben des Fastens und des Betens im Tempel. 

Seit der Liturgie-Reform 1970 endet in der katholischen Kirche die Weihnachtszeit am Sonntag nach dem Dreikönigstag, der am 6. Januar gefeiert wird. Seit 1997 gilt der 2. Februar in der katholischen Kirche auch als  „Tag des geweihten Lebens“, ein Tag des Dankes und der Bitte für die Menschen, die sich ganz Gott zur Verfügung stellen. Bis 1912 beispielsweise war der 2. Februar in Bayern ein gesetzlicher Feiertag.

Der 2. Februar war auch im Bauernjahr von großer Bedeutung und galt als Zahl- und Zinstermin. An diesem Tag konnten sich die Mägde und Knechte bei ihrem Dienstherrn neu verpflichten oder den Arbeitgeber, bzw. Hof, wechseln. Zu Martini (11. November) wurde dem Arbeitgeber mitgeteilt an Lichtmess wechseln zu wollen. Der Lohn, in Form von Geld oder Naturalien wurde am 2. Februar ausbezahlt. Meist war es der einzige Tag im Jahr, wo der Lohn ausbezahlt wurde. Oftmals erhielten die Mägde als Lohn einen neuen Kittel und die Knechte ein Paar neue Schuhe. Auch das Dienstbuch wurde dem Arbeitnehmer zurückgegeben. Darin stand dann oftmals zu lesen: “Bis Lichtmess treu gedient.“

Die Dienstboten mussten sich bei einem Wechsel auch oft von ihrem Kleinvieh (wie Hühner, Tauben oder Kaninchen) trennen, denn nicht jeder Bauer gestattete seinen Dienstboten die Haltung. Folglich wurden zu diesem Datum viele Tiere auf Tiermärkten verkauft. Im oberösterreichischen Wels findet heute noch der Glanglmarkt (glangln ist Dialekt und heißt herumziehen) statt. Er ist Österreichs größter Kleintiermarkt mit über 10.000 Tieren und wird jedes Jahr von zahlreiche Schaulustigen und Käufern besucht.

Der neue Dienst und das neue bäuerliche Arbeitsjahr startete am Tag der Heiligen Agatha, dem 5. Februar. Die Tage dazwischen nannte man „Schlenkerltag“ oder „Schlenkerlweil“. Es wurde gefeiert und die Familie besucht bis der neue Dienst begann.

An Mariä Lichtmess findet in der katholischen Kirche auch die Kerzen- und Wachsweihe statt. Die Kerzen für die Weihe hatten früher oft bestimmte Farben: neben den Alltagskerzen waren die Seelenkerzen zum Anzünden für die Verstorbenen bunt, die Wetterkerzen als Schutz vor nahenden Unwetter und Gewitter schwarz und die Rosenkranzkerzen, die beim Beten des Rosenkranz verwendet wurden, waren gelb. Symbolisch war das Fest und die damit verbundene Lichterprozessione auch ein Zeichen für das länger werden der Tage. Der Volksmund schlägt einen Bogen vom Martinstag am 11. November hin zu Lichtmess: „Martin zünd’s Licht an; Maria bläst’s wieder aus.“

Übernommen wurde das Fest wahrscheinlich, wie auch die Lichterprozession – aus dem Morgenland.