Die ersten weiblichen Lokführerinnen der Kairoer U-Bahn

(September 2022) Thema „Pionierinnen des Abend- und Morgenlandes“

Die Kairoer Metro hat zwei Lokführerinnen eingestellt – ein Novum in einem Land, in dem ähnliche Aufgaben nur selten von Frauen übernommen werden.

Die französische RATP-Gruppe, die die Kairoer Metro-Linie 3, die Hauptlinie im Großraum Kairo, verwaltet, betreibt und wartet, hat kürzlich Frauen zu Zugführerinnen ausgebildet. Obwohl die Kairoer Metro die älteste U-Bahn-Linie in Afrika und der arabischen Welt ist – sie wurde Ende der 1980er Jahre zum ersten Mal eröffnet -, hat noch nie eine Frau einen Zug gefahren. In der patriarchalischen Gesellschaft Ägyptens kommt die Ernennung von Frauen in dieser Art von Beruf einer Rebellion gegen mehrere gesellschaftliche Beschränkungen gleich. Dieser Schritt ist ein Vorreiter auf dem Weg zur Stärkung der Rolle der Frau in Ägypten und zu ihrer Integration in verschiedenen Bereichen, und zwar in Berufen, die vor nicht allzu langer Zeit strikt den Männern vorbehalten waren.

Die Fahrgäste der Linie 3, der neuesten Linie des U-Bahn-Netzes, erleben nun, dass Frauen in der Fahrerkabine sitzen und den Zug selbständig und eigenverantwortlich leiten. Selbst für die größten Befürworter der Entwicklung der arbeitenden Frauen in Ägypten und im Nahen Osten kam das unerwartet und überraschend. 

Eine anonyme Quelle bei der RATP erklärte gegenüber der Nachrichten Website Al-Monitor: „Das Unternehmen hat seinen Bedarf an Zugführerinnen bekannt gegeben. Dies war das erste Mal, dass das Unternehmen eine solche Stellenausschreibung für Frauen in Ägypten machte. Unter den 30 Bewerberinnen, die die Prüfungen bestanden, wurden zwei Frauen eingestellt – Hind Omar und Suzan Muhammad. Das Unternehmen möchte in Zukunft mehr Frauen für verschiedene andere Tätigkeiten in den U-Bahn Linie 3 gewinnen.“

Al-Monitor sprach mit Hind Omar über die langen Verfahren und Tests, die sie durchlaufen hat, um die erste weibliche Lokführerin in Ägypten zu werden. Sie sagte: „Ich bin sehr stolz darauf, diese Aufgabe als eine der ersten beiden weiblichen Lokführerin zu übernehmen. Ich muss extrem geduldig, wachsam und feinfühlig sein, um mit jeder Situation umzugehen, mit der man als U-Bahn-Fahrerin konfrontiert werden kann. Ich halte jeden Tag mehrere Tausend Leben in meinen Händen.“

Sie merkte an: „Sobald ich in den Führerstand einsteige, erhalte ich unterschiedliche Reaktionen von den Zugpendlern. Einige Frauen umarmen mich und geben mir ihren Segen, während andere Pendler mir vorwerfen, dass ich den Männern die wenigen Arbeitsmöglichkeiten in Ägypten stehle. Einige bezweifeln sogar, dass ich eine gute Zugführerin werden kann, da sie glauben, dass Frauen immer noch nicht in der Lage sind, Autos richtig zu fahren“, und fügte hinzu: „Der seltsamste Vorfall, der mir passiert ist, war, als ein alter Mann, der sich auf eine Krücke stützte, sich weigerte, in den Zug zu steigen, als er mich am Steuer sah. Ich gebe jedoch ein Beispiel für andere Mädchen in Ägypten, um die vorherrschende Meinung über Frauen zu ändern. Meine Fähigkeiten beweisen, dass Frauen nicht nur zu Hause, sondern auch in verschiedenen Arbeitsbereichen erfolgreich sein können. Die angehenden Fahrerinnen haben die gleichen Fahr- und Qualifikationstests während der RATP-Schulungskurse wie die Männer absolviert, und einige von ihnen haben bessere Ergebnisse erzielt“.

Sie resümiert: „Ich habe nie davon geträumt, einen Zug zu fahren. Vor mir hat keine Frau diesen Beruf ergriffen und mich folglich dazu inspiriert. Aber jetzt ermutige ich andere Frauen, in diesem und anderen für Frauen schwierigen Bereichen Fuß zu fassen, um zu beweisen, dass wir alles erreichen können, was wir uns vornehmen.“ Sie freut sich über die Unterstützung ihrer Familie. „Meine Eltern fanden es anfangs seltsam, aber schließlich haben sie mich unterstützt“, sagt die 30-Jährige. Ihr Mann habe sie von Anfang an in ihrem Entschluss bestärkt.

Ahlam Hanafi, Mitglied des Nationalen Frauenrates, erklärte gegenüber Al-Monitor: „Wenn Frauen eine angemessene Bildung und Ausbildung erhalten, können sie die gleichen Aufgaben wie Männer übernehmen. Sogar Aufgaben, die früher als weit hergeholt und schlichtweg unmöglich für Frauen galten. Wir sind stolz auf die neuen U-Bahn-Fahrerinnen.“ Sie erklärt weiters: „Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat es Frauen ermöglicht, wertvolle Leistungen zu erbringen. Unser Land muss die Kreativität und Innovation der Frauen nutzen. In der heutigen Welt leisten Frauen in verschiedenen Berufen hervorragende Arbeit, und wir sind mit der Gleichstellung der Frauen im Rückstand. In Ägypten sollten Frauen schon vor langer Zeit in der Lage sein, viele Berufe auszuüben.“

Die Ernennung von Frauen zu U-Bahn-Fahrerinnen erfolgt im Rahmen des umfassenden Ausbaus der Metro Kairo und der Einrichtung neuer Linien, um die mehr als 20 Millionen Einwohner Kairos zu versorgen. Mit der Eröffnung von drei neuen Metrolinien und der ersten Einschienenbahn-Linie, die den äußersten Osten des Großraums Kairo mit dem äußersten Westen verbindet, will Ägypten sein öffentliches Verkehrssystem und -netz verbessern.

Lesen Sie mehr: https://www.al-monitor.com/originals/2022/09/meet-cairos-first-female-metro-train-drivers#ixzz7etTuOe8Z

Kleine Zeitung: https://www.kleinezeitung.at/international/6179996/Erstmalig_In-Kairo-sind-nun-auch-Frauen-in-UBahn-am-Steuer

Quelle Al-Monitor.com is a trusted and award-winning independent source of Middle East news and analysis, founded 2012, https://www.al-monitor.com/mission https://www.al-monitor.com/mission

Die erste weibliche Krankenwagenfahrerin Palästinas

Thema „Pionierinnen des Abend- und Morgenlandes“, August 2022

Sandra Bali, 24, aus der Stadt Halhul in Hebron im südlichen Westjordanland, hatte schon immer den Wunsch, Kranken und Verletzten zu helfen und sieht das auch als nationale Pflicht an. Das hat sie dazu veranlasst, allen Widrigkeiten zum Trotz, die erste weibliche Krankenwagenfahrerin in Palästina zu werden. So beschloss sie, in diesem Jahr ihren Krankenwagenführerschein zu machen. Bali, die seit zwei Jahren als Krankenschwester im Hospital arbeitet, wollte schon seit Jahren das männliche Monopol in diesem Beruf brechen. 

„Der Erhalt meines Führerscheins für einen PKW im Jahr 2018 war ein großer Ansporn für mich, den Krankenwagenführerschein zu beantragen. Es war eine Herausforderung, da ich die erste Frau in Palästina sein würde, die diesen Beruf ergreift. Ich habe im Vorfeld viel darüber nachgedacht, wie die Gesellschaft mich wahrnehmen wird“, sagte Bali gegenüber Al-Monitor. „Einen Krankenwagen zu fahren ist keine leichte Aufgabe. Meine Arbeit beschränkt sich nicht nur auf das Fahren. Viele Patienten, vor allem Frauen, bitten darum, dass Frauen ihnen Erste Hilfe leisten und sie in das Fahrzeug bringen. Ich helfe den Sanitätern bei der Erstversorgung der verletzten Person, bevor sie zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden.“

Weiters erzählt Bali : „Das Fahren eines Krankenwagens erfordert Konzentration, Schnelligkeit und ein gutes Urteilsvermögen, um  die Patienten so schnell wie möglich zu transportieren, ihr Leben rechtzeitig zu retten und eine Verschlimmerung des Zustands zu vermeiden, insbesondere wenn diese unter starken Blutungen oder einem Wirbelsäulenbruch leiden. Vor allem gilt es Verkehrsunfälle zu vermeiden. Wie schnell man mit dem Krankenwagens fährt, hängt von mehreren Faktoren ab, nämlich vom Zustand des Patienten und von der Verkehrslage. Wenn der Zustand des Patienten kritisch ist, muss ich so schnell wie möglich fahren, manchmal bis zu 140 Stundenkilometer. Natürlich schalten wir die Sirene ein, um alle Fahrzeuge auf der Straße auf den entgegenkommenden Krankenwagen aufmerksam zu machen, damit sie ausweichen können. Ich habe einige schwierige Situationen erlebt, als ich Verletzte transportierte. Einige von ihnen hatten schwere Verletzungen durch direkte Schüsse in den Kopf oder die Brust sowie verschiedene andere Verletzungen. Trotz des Schreckens und der Schwierigkeiten der Szenarien versuchte ich mich auf meine humanitäre Pflicht zu konzentrieren und die Verletzten so schnell wie möglich in das nächste Krankenhaus zu bringen, um ihr Leben zu retten“.

Sie bemerkte, dass viele Leute böse Kommentare darüber machen, dass sie einen Krankenwagen fährt. Aber ihre Familie und ihre Freunde unterstützen und ermutigen sie, an diesem Beruf festzuhalten und zu beweisen, auch in Berufen arbeiten können die von Männern dominiert werden. Weiters berichtet sie, wie schockiert viele Autofahrer sind, wenn sie eine Frau am Steuer eines Krankenwagens sehen.

Bali hat andere palästinensische Frauen dazu inspiriert, Karrieren in von Männern dominierten Bereichen zu wählen. Heba Zahida, eine 22-jährige Doktorandin sagte gegenüber Al-Monitor: „Bali ist ein Vorbild für alle Mädchen und Frauen. Sie hat sich, trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen denen sie ausgesetzt war, bewährt. Sie hat darauf bestanden, diesen humanitären Beruf auszuüben, der lange Zeit von Männern monopolisiert wurde“. Und fügt hinzu: „Palästinensische Frauen sind nicht weniger produktiv und effizient als Männer. Sie haben sich in vielen Berufen bewährt, sind oft besser und effizienter als Männer und zeigen große Bereitschaft, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.“

Nashat al-Awewi, 26 meinte gegenüber Al-Monitor: „Frauen beteiligen sich jetzt neben Männern an vielen Aufgaben, da sie versuchen, das Bewusstsein für ihre Rechte zu schärfen und mehr zu erreichen.“ Und fügt hinzu: „Obwohl viele schockiert waren, als sie Bali einen Krankenwagen fahren sahen, wird sie in Hebron von der Bevölkerung sehr respektiert, da sie beweist, dass nichts unmöglich ist.“

Nach den im März vom palästinensischen Zentralamt für Statistik veröffentlichten Statistiken betrug die Beteiligung von Frauen an der palästinensischen Erwerbsbevölkerung im Jahr 2021 17 %, gegenüber 16 % im Jahr 2020, während die Beteiligung von Männern an der Erwerbsbevölkerung im Jahr 2021 bei 69 % lag, gegenüber 65 % im Jahr 2020.

Die Arbeitslosenquote der Frauen in den palästinensischen Gebieten lag im Jahr 2021 bei 43 %, die der Männer bei 22 %. Die Arbeitslosenquote unter den Jugendlichen (19-29 Jahre) mit einem Vordiplom oder höher lag im selben Jahr bei 53 %, davon waren 66 % weiblich und 39 % männlich.

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