„Kelna Inta“ – Mayssam Tannous

„Wir sind alle Du

GEMEINSAM, FÜR JEDEN MENSCHEN

„Wenn wir nicht irgendwo anfangen, wird sich nie etwas ändern“

Mayssam Tannous

„Das ist erst der Anfang, wir sind noch auf dem Weg nach vorn und werden weiter voranschreiten, bis eine Zeit kommt, in der niemand mehr um seine Grundrechte betteln muss. Bis dahin werden wir weiterhin alles tun, was wir können, um diese Welt, in der wir leben, auch nur ein kleines bisschen besser zu machen.“

 

Ihre Mission – ein ganzheitlicher humaner Ansatz!

Akuthilfe seit der Explosion in Beirut Anfang August 2020

Sanierung von Häusern in schlechten Bedingungen

Medizinische Versorgung für Menschen in Not

Verbesserung der Haftbedingungen

Gründung einer Schule

P.E.A.K.S: Peace through Education, Arts, Knowledge & Sports

Der Beginn

Die Geschichte von „Kelna Inta“ begann im Jahre 2016. Die junge Libanesin Mayssam Tannous war gerade von Straßburg nach Berlin gezogen. Ihre Ferien verbrachte sie, wie meistens, in ihrer Heimat dem Libanon, wo sie verschiedenen NGOs bei deren Sozialarbeit unterstützte und Dörfer, Krankenhäuser, Altersheime und Gefängnisse besuchte. Bei einem Besuch im Roumieh-Gefängnis, dem größten Gefängnis des Landes, empfand sie die dortigen Zustände herzzerreißend, erschütternd und unmenschlich. Das gab den Anstoß für ihren Entschluss in den Libanon zurückzukehren und etwas für das Land und die dort lebenden Menschen zu tun. 

Der Name „Kelna Inta“ – Wir alle sind Du

Wenn Mayssam damals von den zu Hilfesuchenden gefragt wurde, wer sie sei, antwortete sie immer: „Ana Inta“ –„ Ich bin Du“. Sie wollte keiner politischen Partei, keiner Religion, keiner Nationalität angehören. Sie wollte nur, dass die Betroffenen wissen, dass sie für sie da sei. Und wenn sie irgend etwas tun könne, um ihren Schmerz zu lindern, dann würde sie es tun. Aus „Ana Inta“ (Ich bin Du) wurde schließlich „Kelna Inta“ – „Wir sind alle Du“.

Mayssam beschloss ihre eigene NGO (Non Government Organisation) zu gründen. Sie hatte zu Beginn noch keine konkreten Pläne. Alles was sie damals wusste war, dass es so viel zu tun gab und es zu wenige aktive Leute gab. Sie gründeten den dafür nötigen Vorstand, bestehend aus 4 Personen – ihrer Mutter Yolla, zwei Freunden und ihr selbst. Auch ihre Tante Bahia ist bis heute ein wesentlicher Teil der Organisation.

Sie besuchten weiterhin Gefängnisse, organisierten und bezahlten Anwälte für Mittellose. Sie ‚bauten‘ einige der Zellen um, besorgten Ventilatoren und Beatmungsgeräte, malten die Wände aus (was seit über 60 Jahren nicht mehr gemacht worden war), nahmen Kontakt zu den Familien der Gefangenen auf, bezahlten Kautionen und hielten Kontakt zu den Entlassenen. 

Sie sind seither gewachsen, viele Freiwillige haben sich dem Team angeschlossen und immens geholfen. Sie begannen Kinder (vor allem irakische und syrische Flüchtlinge) zu unterrichten und bei den Hausaufgaben zu helfen. Sie unterstützen die medizinische Versorgung von Mittellosen und kümmern sich um deren Gesundung. Sie versorgen monatlich Familien, die sich in Schwierigkeiten befinden mit Essenvorräten.

Sie sind überzeugt, dass der beste Weg Menschen zu retten, die Erziehung ist. Gemeinsam mit der NGO ‚Genius‘ haben sie eine Schule eröffnet, die ursprünglich für Kinder mit besonderen Bedürfnissen (Autismus, Down Syndrom usw) angedacht war. Ihr Plan für dieses Jahr 2020 war, sie allen Kindern zugänglich zu machen, (nicht nur denen mit besonderen Bedürfnissen) die sich keine Privatschulen leisten können. (Hinweis von Mayssam: Leider sind öffentliche Schulen im Libanon oft die einzige Möglichkeit und einige Eltern würden ihre Kinder lieber zu Hause lassen, statt sie auf die öffentlichen Schulen zu schicken.) Bedingt durch Corona und den derzeitigen Einschränkungen werden sie noch in diesem Jahr eröffnen und bereiten Sicherheits- und Vorsorgekits vor, um Kinder und Lehrer zu schützen. 

Derzeit helfen Sie unermüdlich den Notleidenden nach der Katastrophe in Beirut Anfang August 2020. Die Liste geht weiter und scheint unendlich …

Mayssams Ansatz

„Es ging mir weder um Gefängnisse noch um Gefangene. Es war viel weitreichender. Es ging um jeden Leidenden, um jeden Menschen in Not und jeden der diese Geschichten hören will. Fjodor Dostojewski, ein russischer Schriftsteller, Journalist und Philosoph, stellte in einem seiner Werke fest, dass der Grad der Zivilisation einer Gesellschaft durch das Betreten ihrer Gefängnisse beurteilt werden kann.

Ich möchte noch einmal betonen, dass es nicht um die Gefängnisse geht. Es geht um all das Unrecht, all die Schäden und alle Verbrechen (die meisten davon sind nicht gesetzlich verboten, aber schrecklich unmoralisch und böse), die wir in unserer Zivilisation beobachtet haben. Es geht um die Zukunft, zu der wir bestimmt sind, und um die entweder überheblichen, unsensiblen und verwöhnten Generationen, die wir großziehen oder die schwer geschädigten und gezeichneten Generationen, die wir ignorieren. Ich denke, dass alle Kinder die gleichen Chancen im Leben haben sollen, und ich denke, dass wir alle eine Rolle dabei spielen, ihnen das zu zeigen und unseren Teil dazu beizutragen.

Die Projekte sind zahllos und die Möglichkeiten sind vielfältig. Jedes Problem hat seine Lösung, wenn auch nicht viele. Auch etwas, das meine Mutter Yolla im Laufe der Jahre unzählige Male wiederholt hat!“