Das Königreich Marokko und seine weiblichen Champions im Kampfsport.

Pionierinnen aus dem Orient, Oktober 2022

 Es ist noch nicht lange her, dass sich die Kampfsportwelt für Frauen öffnete und eine Kampfsportathletin ist in der arabischen Welt immer noch etwas Besonderes. Das traditionelle Königreich Marokko, bringt aber eine Reihe von weiblichen Champions in verschiedenen Kampfsportarten hervor. Der 2014 gegründete Verband der Königlichen Marokkanischen Föderation für Kampfkünste und Kampfsportarten fördert, entwickelt und schützt aktiv die Belange dieses Sports.

 Im Juni gewann die 11-jährige marokkanische Boxerin Aya Bozarhoun den vierten Titel bei der Muay Thai- und Boxmeisterschaft in Frankreich und dominierte in mehreren regionalen und nationalen Wettbewerben. Nach ihrem Sieg rief El Hilali, der Präsident des Königlichen Marokkanischen Verbands für Kickboxen und Muay Thai, Bozarhoum an und gratulierte ihr zum Gewinn der vier Titel.

 Auch erklärte El Hilali in diesem Jahr, dass Marokko stolz darauf ist, dass sich vier marokannische Athleten für die World Games qualifiziert haben, zwei Männer und zwei Frauen, wobei die Geschlechter gleichgestellt sind. Belouarrat Oumaima hat bereits 2019 in Südkorea die Goldmedaille im Kampfsport gewonnen, zusätzlich zu ihrem Titel bei der Afrikameisterschaft in Ägypten. Meriem El Mubarak hat sich als erstes arabisches Mädchen für die Word Games 2017 qualifiziert und wurde von HH König Mohammed der VII., 2016 mit einem nationalen Verdienstorden ausgezeichnet. Es ist ihre zweite Teilnahme an den Spielen.

 “Als marokkanische Frau glaube ich fest daran, dass es für Frauen sehr wichtig ist zu lernen, wie sie sich selbst verteidigen können”, sagt HInd Charifi, 32, die zweifache Weltmeisterin im brasilianischen Jiujitsu (BJJ).  Charifi studiert an der Royce Gracie Ju Jitsu Academy in Dubai, wo sie professionell an Wettkämpfen teilnimmt. “Marokkanische Frauen fangen gerade erst an, sich mit Kampfsportarten zu beschäftigen. Zu der Zeit, als ich in Marokko lebte, war ich fünf oder sechs Jahre lang die einzige marokkanische BJJ-Wettkämpferin.”

 „Bei meinem ersten Kampf hatte ich Angst, mich zu verletzen, aber ich habe den zweiten Platz erreicht. Es gibt immer noch die Vorstellung, dass Kampfsportarten nicht sicher sind. Vor allem Frauen haben Angst, ihr Gesicht zu verletzen”, sagt sie gegenüber Al-Monitor. Das erste Vorurteil hängt mit dem Stereotyp zusammen, dass Frauen zerbrechlich und nicht für Kampfsportarten geeignet sind, ein Glaube, der in der Mentalität vieler marokkanischer Familien verwurzelt ist. Charifis Familie war zunächst nicht einverstanden, aber nachdem sie ihre Erfolge gesehen und ihr gewachsenes Selbstvertrauen bemerkten, unterstützen sie sie. Sie waren stolz auf ihre Ergebnisse, und sogar ihre Schwester wurde dazu animiert, Boxerin zu werden.

Charifi erinnert sich, dass sie vor einigen Jahren in einem Pariser Club ihre Kampffähigkeiten einsetzen musste, als ein Mann  ihr folgte und versuchte, ihre Brüste zu berühren. Sie nahm ihn kurzerhand in den Würgegriff und musste dann seine Beine anheben, um ihn wieder wachzurütteln.

Auch in Marokko wurde sie auf der Straße angegriffen. “Der Mann war schockiert und erschrocken über meine Reaktion, die für mich ganz natürlich war. Als er realisierte, dass ich ihn verprügeln kann, ist er weggelaufen.“

Abgesehen von Selbstverteidigung ist Charifi der Meinung, dass der Kampfsport alle Aspekte des Lebens beeinflusst. “Für mich ist es etwas, das das Selbstvertrauen in allen Bereichen des Lebens stärkt, von der Art und Weise, wie man sich bei der Arbeit gibt, über die Kindererziehung bis hin zu Dingen, die traditionell als ‘Männerarbeit’ gelten, wie das Reparieren einer Spüle oder eines Autos.”

 Khaoula Oubraim, marokkanische Kickbox-Meisterin, wurde von ihrer Mutter ermutigt, Kampfsport zu betreiben. Als sie begann an Meisterschaften teilzunehmen, war der Rest der Familie dagegen, weil sie befürchteten, dass sie sich verletzen könne. “Aber meine Mutter hat mich immer unterstützt. Für sie war es ein Traum, den ihr ältester Sohn nicht verwirklichen konnte. (…) ich wurde ihr Hoffnungsschimmer”, so die Athletin. In der kleinen marokkanischen Stadt in der sie lebte, erwies sich die Ausbildung als schwierig. Sie war 17 Jahre alt, als sie in einem örtlichen Fitnessstudio mit dem Kickboxen begann, wo sie von zwei Trainern sexuell belästigt wurde. Trotz dieser schlechten Erfahrung gab sie den Sport nicht auf und beschloss, sich in einem anderen Fitnessstudio anzumelden, das mehr als 10 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt war. Sie fuhr mit einem alten Motorrad dorthin, das mehrmals auf der Straße stehen blieb. Oft musste sie den Weg zu Fuß zurücklegen und sich dabei Dieben und Angreifern stellen. Sie erinnert sich aber auch an ihre Kollegen, die sich weigerten, sie nach Hause zu begleiten, weil sie der Meinung waren, dass ein Mädchen ins Haus gehört und nicht zu ihnen. Ihr Durchhaltevermögen zahlte sich aus, sie holte viele Titel und wurde 2018 marokkanischen Meisterin im K-1.

Bedingt durch ihre  soziale Situation konnte sie nicht mehr an Meisterschaften teilzunehmen. Dank des Sporttrainingszertifikats, das sie erworben hatte, fand Khaoula einen Job als Kickboxtrainerin für Frauen in einer der bekanntesten Sporthallen Marokkos. Sie braucht ein tägliches Einkommen, um ihre Familie zu unterstützen. Außerdem wurden ihre Pläne durch die Corona-Pandemie auf den Kopf gestellt. Im vergangenen März sollte die marokkanische Meisterin an den Muay Thai-Weltmeisterschaften in Thailand teilnehmen. “Es wäre meine erste internationale Teilnahme gewesen”, bedauert Khaoula.

 Die französisch-marokkanische Rizlen Zouak, 36, trägt den Spitznamen “Löwin des Atlas”, ist mehrfache Afrikameisterin, Teameuropameisterin in Frankreich und hat zweimal an den Olympischen Spielen im Judo teilgenommen. Zouak begann mit dem Judo, als sie sechs Jahre alt war. “Als kleines Mädchen liebte ich es, in Kämpfe verwickelt zu werden. Als ich mit Judo anfing, gefiel es mir auf Anhieb und ich wollte ein Champion werden.”, sagte sie. Auch sie durfte auf die Unterstützung ihrer Familie zählen.

Sie sagt gegenüber Al-Monitor: “Marokko ist ein Teil von mir. Ich bin stolz und fühle mich geehrt, die erste marokkanische Frau zu sein, die sich für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, und die erste weibliche MMA-Kämpferin (Mixed Martial Arts – „Gemischte Kampfkünste“) zu sein. Und es war einfach unglaublich und eine große Freude, diesen ersten weiblichen Sieg im MMA in mein Heimatland Marokko zu bringen”.

Zouak meint: “Es wird immer Menschen geben, die frauenfeindlich sind, aber man muss sie in ihrer Welt lassen, sie ignorieren und immer darauf bedacht sein ‚to be in top of your game‘.”

 Lesen Sie mehr:

https://www.al-monitor.com/originals/2022/10/moroccos-women-martial-artists-defy-cultural-stereotypes#ixzz7hxGr6HdS

 https://ne-np.facebook.com/ifmamuaythaiofficial/photos/a.180380368752719/3500578210066235/?type=3

https://en.yabiladi.com/articles/details/93181/khaoula-oubraim-female-moroccan-kickboxer.html

 

 

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