Der Internationale Frauentag lädt jedes Jahr dazu ein, den Blick auf Frauen zu richten, die Grenzen verschieben – oft leise, manchmal unter enormen persönlichen Herausforderungen. In Zeiten, in denen Konflikte und Kriege die Nachrichten dominieren, wirkt das Thema Militär zunächst schwer. Doch gerade jetzt zeigt sich, dass Frauen in Bereichen arbeiten, die lange als reine Männerdomänen galten – etwa als Pilotinnen von Kampfjets. Hinter dieser Funktion steht jedoch nicht das Bild der Kriegerin, sondern das einer hochqualifizierten Expertin, die Technik beherrscht, Entscheidungen unter Druck trifft und Verantwortung trägt. Die folgenden Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit; all jene Frauen, die diesen Beruf ausüben und hier nicht genannt sind, mögen mir dies bitte nachsehen.
- Sabiha Gökçen (Türkei): Sie gilt als weltweit erste weibliche Kampfjetpilotin. In den 1930er‑Jahren wurde sie an der Türkischen Luftwaffenakademie ausgebildet und nahm an mehreren Militäroperationen teil. Sie wurde zu einer Symbolfigur der modernen Türkei und zu einem internationalen Vorbild für Frauen in der militärischen Luftfahrt. Der zweitgrößte Flughaften der Türkei, in Istambul, ist nach ihr benannt.
- Ulrike Fitzer (Deutschland): Die ausgebildete Tornado-Pilotin war die erste Frau der Bundeswehr, die einen Kampfjet flog. Später ließ sie sich zur Fluglehrerin ausbilden, um angehende Eurofighter‑Pilot*innen zu schulen. Parallel zu ihrer Dienstzeit absolvierte sie im Fernstudium einen Bachelor in Mechatronik und studierte anschließend Computational Science and Engineering. Ihre Masterarbeit befasste sich mit Energiewandlern, die mechanische Vibrationen industrieller Anlagen in Strom umwandeln. Promoviert hat sie über die Wechselwirkung zwischen Neuronen und Elektroden. 2022 erhielt sie von acatech den Schnieder‑Preis JUNGE MACHERIN. Sie gilt als inspirierendes Role Model für Mädchen und junge Frauen.
- Nicola Winter (Deutschland): Schon als Kind vom Fliegen begeistert, scheiterte sie zunächst an ihrer Körpergröße von 1,60 m für eine zivile Pilotenausbildung. Als sie von der Kampffliegerausbildung der Bundeswehr erfährt, ist für sie klar: Das ist ihr Weg. Sie wird eine der ersten Eurofighter‑Pilotinnen Deutschlands und fliegt über zehn Jahre aktiv. Das Handelsblatt und die Boston Consulting Group zeichnen sie als „Vordenkerin des Jahres“ aus. 2022 wird sie in die Astronauten‑Reserve der European Space Agency aufgenommen. In ihrem Buch The sky is no limit beschreibt sie, was wir aus der Fliegerei für Beruf und Alltag lernen können.
Während in Deutschland bereits Frauen Eurofighter fliegen, gibt es in Österreich noch keine Kampfjetpilotinnen. Das hat mehrere Gründe: Frauen sind erst seit 1998 beim Bundesheer zugelassen, die militärische Fliegerei in Österreich ist ein traditionell kleiner, spezialisierter Bereich. Die Zahl der Jetpiloten ist insgesamt gering, der Frauenanteil im Bundesheer weiterhin unter 5 %, und die Ausbildung extrem selektiv und viele Jahre dauernd.
In den frühen 2000er‑Jahren begannen die ersten Frauen ihre Ausbildung zur österreichischen Militärpilotin. 2005 schlossen die ersten beiden Frauen in der Geschichte des österreichischen Bundesheeres ihre Ausbildung zur Hubschrauberpilotin ab. Seitdem gibt es vereinzelt weitere Pilotinnen, aber der Beruf bleibt eine absolute Ausnahme. Manche Namen österreichischer Hubschrauberpilotinnen sind öffentlich bekannt – andere werden bewusst nicht genannt. Das hängt davon ab, ob sie beim Bundesheer, der Polizei oder im zivilen Bereich fliegen und wie sensibel ihre Einsatzbereiche sind.
- Ulrike Hutsteiner (Österreich) ist eine Elite-Pilotin der Flugpolizei. 2023 übernahm sie die interimistische Leitung der Flugpolizei und ist somit die oberste Pilotin der Polizei. Ein Meilenstein, denn Führungspositionen in diesem Bereich waren lange Zeit ausschließlich männlich besetzt. Sie ist eine der sichtbarsten Pionierinnen im staatlichen Flugbetrieb und ein wichtiges Vorbild für junge Frauen. Die Flugpolizei ist neben dem Einsatzkommando Cobra oder dem Entschärfungsdienst ein Teilbereich der Direktion Spezialeinheiten. Sie unterstützt alle polizeilichen Einheiten bei Einsätzen – von Anti-Terror-Einsätzen über alpine Bergungsmissionen, Fahndungen oder Suchen nach Abgängigen bis hin zu Löschmissionen.
Weitere Pionierinnen in Europa:
- Kateřina Hlavsová (Tschechien): Ihr Arbeitsplatz ist der Luftwaffenstützpunkt Čáslav, rund 70 Kilometer östlich von Prag. Sie war die erste Frau im heutigen Tschechien die Militär-Jets fliegt. Sie betont, dass es in ihrem Beruf als Frau viel Überzeugungskraft brauche, um sich durchzusetzen. Als einzige Frau in ihrem Studienfach begegnete Hlavsová immer wieder der unausgesprochenen Skepsis gegenüber Frauen in der Jet-Luftfahrt.
- Báčová-Kellerová (ehem.Tschechoslowakei): Bereits vor 70 Jahren gab es in der damaligen Tschechoslowakei eine Kampfjetpilotin: Eleonora Báčová-Kellerová. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte sie eine Kampfpilotenausbildung und wurde ab 1954 als erste Frau des Landes auf der sowjetischen MiG‑15 eingesetzt. 1958 verließ sie die Armee und gab das Fliegen auf. Erst Anfang der 2000er-Jahre wurden wieder Frauen zur Kampfpilotenausbildung zugelassen.
Pionierinnen im Morgenland:
- Mariam al-Mansouri (Vereinigte Arabische Emirate): 2007 wurde sie als erste Frau in die Luftwaffenakademie der VAE aufgenommen und qualifizierte sich als erste weibliche Kampfjetpilotin des Landes. Sie fliegt eine F‑16 Fighting Falcon. 2014 führte sie als Geschwader-Kommandeurin sensible Luftangriffe an. Ihre Rolle fand weltweit Beachtung und gilt als Symbol für die Modernisierung und den Wandel der Frauenrolle in den Golfstaaten. Sie ist Trägerin der „Pride of the Emirates Medal“.
„Die Leute sind immer noch erstaunt. Aber das ist nicht nur hier in Tschechien so, sondern auch in den Staaten westlich von uns. Zwar gibt es dort mehr Kampfpilotinnen, das hat sich dort bereits etwas stärker eingebürgert. Dennoch schauen die Männer nicht nur hier, sondern auch bei internationalen Übungen und sagen: Huch, sie haben eine Pilotin! Es ist halt immer noch nicht Standard, wir sind nur wenige Frauen.“
Kateřina Hlavsová
Bundesministerium für Inneres
Bundesministerium für Landesverteidigung
SWR1 Leute /ARD
https://deutsch.radio.cz/zdenka-kuchynkova-8682359
VERENA FALKNER, „Highheels auf goldenem Sand“
