Wer fährt wann und warum in den Himmel und was haben Väter damit zu tun? – Christi Himmelfahrt

Der katholische Feiertag Christi Himmelfahrt – er findet stets 39 Tage nach dem Ostersonntag statt- fällt immer auf einen Donnerstag. An diesem Tag gedenken Gläubige der Rückkehr Jesus zu Gott, seinem Vater im Himmel. Nach seiner Auferstehung zu Ostern verkündete Jesus seinen Jüngern 40 Tage lang die Botschaft vom Reich Gottes. Laut Apostelgeschichte im Neuen Testament wurde er am 40. Tag, vor den Augen seiner Jünger, in den Himmel empor gehoben und verschwand in einer Wolke. Für die Theologie bedeutet dies, das Gott seinen Sohn nicht im Tod gelassen hat. Er ist auferstanden und ihm so nahe wie kein anderer. Im Glaubensbekenntnis heißt es entsprechend: “Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.“ Ein weiterer zentraler Gedanke ist die Erwartung,  dass Jesus am Ende aller Tage wieder kommen wird.

Übrigens spielt die Zahl 40 in der Bibel eine bedeutende Rolle. Sie kommt dort 98-mal vor und gilt als Symbol für eine Zeit des Neubeginn – eine Zeitspanne für Reifung, Klärung und Entscheidung.

Seit dem 4. Jhd. gilt Christi Himmelfahrt als eigenständiger Feiertag und seit den 30-iger Jahren in ganz Deutschland auch als gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag wird in Deutschland auch der Vatertag / Männertag meist in Männergruppen gefeiert. In vielen deutschen Gegenden werden bei diesen Ausflügen geschmückte Fahrräder, mit Bier beladene Bollerwägen oder Schubkarren mitgeführt. Vielerorts gibt es aber auch offene Feste für die ganze Familie.

Für den Bochumer Neutestamentler Thomas Söding haben Christi Himmelfahrt und der Vatertag durchaus auch inhaltlich etwas gemeinsam. Für ihn ist Christi Himmelfahrt in einem ganz bedeutsamen Sinne ein Vatertag, weil er mit der Sohnschaft Jesus und mit Gott als Vater zu tun hat. Jesus ist nicht nur vom Vater gesandt worden – der Weg zurück, führte auch zurück zum Vater. Er weist auf prominente Väterfiguren in der Bibel hin und zeigt Verständnis für das Feierbedürfnis der heutigen Väter. 

In der Bibel, so Söding laut katholisch.de, kann man zahlreiche interessante und durchaus unterschiedliche Vaterfiguren entdecken. Josef ist im Neuen Testament eine extrem wichtige Person. Er bekam im Traum die Aufgabe, sich um seine schwangere Ehefrau Maria und damit auch um Jesus zu kümmern. Er war eine starke Figur und jemand, der sich anständig verhielt – ein Mann, der im Hintergrund wichtig war und andere in den Vordergrund stellen konnte. Eine wichtige Tugend die, wie Söding findet, allen Männern gut stünde.

Als weiteres Beispiel nennt er Hiob. Sein Glaube wurde hart auf die Probe gestellt, denn Gott nahm ihm seinen vollständigen Besitz und seine zehn Kinder starben. Die Bibel gibt ihm Raum, um seinen Schmerz regelrecht herauszubrüllen und Gott zur Verantwortung zu ziehen; nicht nur Mütter, sondern auch Väter schreien und klagen. Väter haben es nicht immer leicht, auch in der Bibel nicht. Man kann Freude an den Kindern haben, man kann traurig sein, dass sie einen völlig anderen Weg gehen als man selbst für richtig hält und man kann an ihnen verzweifeln. Auch Männer in der Bibel litten darunter, wenn sie lange Zeit kinderlos blieben. Auf die Frage, ob es daher nur fair sei, wenn Väter auch ihren Tag haben, an dem sie gefeiert werden oder sich selbst feiern, antwortet Söding

„Warum nicht? Mein Traum wäre natürlich, wenn die Bollerwagentour nicht an den Kirchen vorbeiführt, sondern auch in eine Kirche hinein, natürlich vor dem Alkoholgenuss. Dann kann man den geistlichen und den weltlichen Teil gut miteinander verbinden.“ 

https://www.katholisch.de/artikel/21841-christi-himmelfahrt-wie-waere-eine-bollerwagentour-zur-kirche

Im Volksbrauchtum gibt es, seit Mitte des 5. Jhd., die  sogenannten Bitt-Tage – Montag, Dienstag und Mittwoch – vor Christi Himmelfahrt.

Auch bat man in der vorhergehenden Woche mit Prozessionszügen und -ritten durch Wald, Wiese, Felder oder Weinberge um ein gutes Erntejahr. Der Brauch der Flurritte geht vermutlich auf einen alten germanischen Rechtsbrauch zurück, demzufolge jeder Grundeigentümer einmal im Jahr sein Eigentum umrunden musste um seine Besitzansprüche aufrecht zu halten. Es ist nicht belegt, ob daraus die Vatertags-Umzüge entstanden sind.

Im 19. Jahrhundert gab es Schinkentouren oder Herrentouren, organisierte Fahrten aufs Land, zu denen Frauen nicht zugelassen waren. Später etablierte sich der Name Vatertag als Pendant zum Muttertag

In  Österreich ist der religiöse Feiertag Christi Himmelfahrt nicht mit dem Vatertag verbunden (immer der zweite Sonntag im Juni). Es gibt eine Reihe regionaler Bräuche wie die Bitt-Tage und seit dem sechsten Jahrhundert auch Prozessionen.

In manchen Kirchen wird eine Statue des auferstandenen Jesus durch das so genannte Heiliggeisterloch, sofern dieses vorhanden ist, auf den Dachboden der Kirche gezogen. Auf den Teller kommt an diesem Tag vor allem Geflügel –fliegendes Fleisch. 

Heute eingeladen in der Sendung „Zwei auf Eins“ des rbb zum Thema „VATER”

Hat richtig Spaß gemacht – DANKE!!!

Hier ist die Sendung zum Nachhören. Das Interview mit mir beginnt ab ca. Minute 16.

https://www.radioeins.de/programm/sendungen/sendungen/26/2512/251214_zwei_auf_eins_30200.html

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